Das waren die ersten Hochschulwahlen 2021 in Kassel

Ein Student gibt seine Stimme im Campus-Center der Universität Kassel ab. (Foto: Paul Bröker)

Vor dem Wahllokal am Holländischen Platz zeigt sich am 28. Januar 2021 ein Wechsel zwischen Herbstregen und kurzem Anflug von Schneefall. Doch grau in grau ist nicht nur das Wetter in den letzten Stunden der Wahl des Studierendenparlaments und der Fachschaftsräte.

Eine Handvoll Studierender wartete – ganz coronakonform – mit anderthalb Metern Abstand darauf, im Erdgeschoss des Campus-Centers in die einzige Wahlkabine zu treten. Der Rest übte sich bei winterlicher Naturbelüftung in Geduld, sodass die Wartezeiten genauso lang ausfielen, wie wenn die Wählerinnen und Wähler in einer geordneten Schlange gestanden hätten.

Isolierung war, trotz der 500 Registrierungen zur Briefwahl, der rote Faden der Wahl. Das war wegen der Corona-Pandemie zu befürchten gewesen. So stand die Wahlbeteiligung am Abend des vorletzten Wahltags bei ernüchternden 2,85 Prozent. Pünktlich zum Mittag des letzten Wahltags wurde immerhin noch die 3-Prozent-Marke geknackt.

Sonst sind es im Durchschnitt 8 bis 10 Prozent der Studierenden, die an die Urne gehen. Auch selbst das ist, wie in Gesprächen mit den wählenden Studierenden und Wahlhelfern anklang, eine relativ niedrige Quote.

Schließlich kann mit der Wahl über vieles mitbestimmt werden: Visionen zum eigenen Campusleben, die Ernährung im Studium, eine umfangreiche sowie erreichbare Bibliothek, eine digitale Universität, Mobilität für den Kontakt mit Familie und Freunden und Dutzende weitere Vorstellungen einer angenehmen Uni-Erfahrung.

Genügend Arbeit wird es für das neue StuPa und die Fachschaftsräte in jedem Fall geben. Trotz Corona müssen Studierende für ihre Hausarbeiten und Abschlüsse weiter recherchieren können, irgendwann werden Kultur und Feiern wieder die Arbeitsbelastung ausgleichen und die Finanzen – insbesondere des AStA – bleiben optimierungswürdig. Zudem wird es um den Erhalt oder die Wiederbelebung von beliebten Treffpunkten gehen, wie zum Beispiel dem abgerissenen Periptero und seinem offenbar ebenso temporär ausgelegten Nachfolger Campusgarten. Andere Projekte sind die kostspielige und weiter zu etablierende Färberei, das von einer Schließung bedrohte Lernbistro K10 und der praktisch endlos im Winterschlaf liegende ehemalige Uni-Szenetreff K19, dessen Gebäude ungenutzt weiter besteht.

An Aufgaben, insbesondere für die studentische Selbstverwaltung, mangelt es also nicht. Dass der Rückhalt bei gerade einmal 3 Prozent Wahlbeteiligung, die man sich durch eine unbedachte Verschiebung der Wahl in den Lockdown-Januar selbst eingehandelt hat, nicht gerade hoch sein wird, ist offensichtlich. Doch immerhin ist die Amtsperiode kurz und es bleibt hoffentlich keine Zeit für unnötige Streitereien im StuPa.

Erneut zu prüfen ist jedoch, die Wahl in Zukunft, selbst wenn sich die Corona-Lage bessern sollte, über eine Wahlsoftware im Internet stattfinden zu lassen. Andere Uni-Gremien, zum Beispiel bei der Wahl der neuen Präsidentin, handeln da schon jetzt flexibler. Wenn die studentischen Vertreter in dieser Hinsicht argumentiert, sie wolle diesbezüglich eng mit der Hochschulleitung zusammen entscheiden, wieso kann dann die Hochschulleitung sich schnell und unkompliziert für eine möglichst geheime Onlinewahl per privatem Anbieter entschließen? Außerdem wirkt eine Wahl mit so wenig Beteiligung höchst unzufriedenstellend und spricht weder für Vertrauen noch Zustimmung in der Studentenschaft angesichts dieser Vorgänge. Ein Sieg, unabhängig vom Ausgang der Wahl, sieht anders aus. Statt der Bestätigung irgendeiner Liste ist hier die gesamte Hochschulpolitik de facto abgestraft worden.

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