Interview mit Frank Kistner, Verbesserung der Studienbedingungen – Die unabhängige und starke Kraft der Studierenden

Frank Kistner posiert vor dem LEO am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)
Frank Kistner posiert vor dem LEO am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)

Stell dich und deine Liste doch bitte kurz vor!

Mein Name ist Frank Kistner und ich studiere Wirtschaftspädagogik. Meine Liste „Verbesserung der Studienbedingungen“ ist eine Neugründung und besteht nur aus meiner Person, weil es in der Kürze der Zeit und unter Corona-Bedingungen nicht möglich war, mit mehreren Leuten aufzuwarten.

Damit hast du eigentlich schon die zweite Frage beantwortet, die ich dir stellen wollte: „Wie ist es dazu gekommen, dass du die einzige Person auf deiner Liste bist?“ Dennoch die Nachfrage: Es gab Anmerkungen seitens anderer Listen, dass damit eine Ausweichperson im erweiterten Senat verloren geht und dass, wenn du krank bist, deine Vertretung fehlt. Wie reagierst du darauf?

Das ist ein sehr hypothetischer Fall. Die Einzelbewerbung ist durchaus zulässig. Mir ist es wenigstens gelungen, rechtzeitig den Wahlvorschlag abzugeben, was man von anderen nicht behaupten kann. Und im Fachbereichsrat kandidiere ich auch. Da bin ich jetzt seit einem Jahr Mitglied. Letztes Jahr habe ich da ebenfalls als Einzelbewerber kandidiert und bin gegen 16 andere Mitbewerber gewählt worden. Insoweit, denke ich, ist das in Ordnung.

In diesem Jahr hat meine Liste „Aufrecht für Wipäd, Wiwi und Wirtschaftsrecht“ schon sieben Kandidatinnen und Kandidaten und bewirbt sich nun allein – ohne Konkurrenzliste –  für die drei Sitze im Fachbereichsrat Wirtschaftswissenschaften.

Was sind deine Forderungen und warum sollte man dich wählen?

Bei mir ist der Name Programm: Verbesserung der Studienbedingungen. Ich firmiere als unabhängige und starke Kraft. Mein Fokus liegt eindeutig auf den Studienbedingungen und ich glaube, dass da in der Vergangenheit zu wenig passiert ist. Häufig war die Wahl für die Senatoren ein Anhängsel von den StuPa- und AStA-Wahlen und wir haben jetzt erstmalig einen Wahlkampf um die studentischen Plätze im höchsten beschlussfassenden Gremium. Ich denke, dass es höchste Zeit ist, dass man die Studienbedingungen in den Mittelpunkt der Hochschulpolitik rückt.

Könntest du ein bisschen konkreter werden? Inwiefern sollen die Studienbedingungen verbessert werden?

Wir haben eine schlechte Betreuungsrelation verglichen mit anderen Universitäten. Neulich hat mal jemand publiziert, dass sie im Durchschnitt bei 1:60 liegt. Wir liegen in Kassel, glaube ich, bei 1:80. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wir hinken hinterher im Bereich der Digitalisierung und des Online-Studierens. Wir haben die Umstellung unter den widrigen Umständen eigentlich ganz gut hinbekommen, aber um das valide zu machen, müssen wir jetzt auch die Lernwirkung erforschen und uns dranmachen, sowohl die digitalen Formate als auch die Präsenzformate deutlich zu verbessern.

Könntest du erklären, wie man die studentischen Interessen im Senat besser durchsetzen kann. Was sind deine Vorschläge?

Man braucht natürlich Bündnispartner. Wir haben ja, was vielleicht die meisten Wählerinnen und Wähler nicht kennen, eine Wahl, bei der die Mehrheit des Gremiums schon vorher feststeht. Sie liegt bei den Professoren mit neun Sitzen. 25 Tausend Studierende werden, wenn man so will, mit drei Mandaten abgespeist. Das sind schon mal schlechte Voraussetzungen, etwas durchzusetzen. Gleichwohl gibt es Bündnispartner und es kann der Hochschulleitung auch nicht egal sein, über die Interessen von 25.000 und mehr Studierenden hinwegzugehen. Sollte ein neuer Präsident gewählt werden, kann ich mir vorstellen, dass man ihn oder sie von Studierendenseite nur unterstützt, wenn es auch Zugeständnisse für die studentische Mitbestimmung gibt. In den Prüfungsausschüssen sitzt in der Regel nur ein Studierendenvertreter gegen vier andere Vertreter und es ließe sich leicht festlegen, dass in jedem Prüfungsausschuss mindestens zwei Studierende sitzen. Dann kann man sich in den Diskussionen wechselseitig unterstützen und steht nicht allein gegen eine Übermacht. Und dass das möglich ist, kann man schon daran sehen, dass wir in den Fachbereichsräten nicht das Verhältnis 3:9 haben, sondern 3:7, was die Professoren anbelangt. Insoweit gibt es da Regelungsmöglichkeiten.

Ich möchte noch einmal auf deine Wahlkampfstrategie eingehen. Du hast auf Facebook ziemlich viel in der Uni-Kassel-Gruppe gepostet. Was war dabei der Hintergedanke?

Auch im letzten Jahr habe ich Facebook-Wahlkampf gemacht. Ich habe meine Forderungen einzeln ins Netz gestellt und konnte somit an Likes und ähnlichen Dingen erkennen, was aus Sicht der Wählerinnen und Wähler wichtige Forderungen sind und welche Dinge weniger bedeutsam eingeschätzt wurden. Im letzten Jahr habe ich mich als einer der wenigen mit Zetteln vor die Hörsäle gestellt. Zudem habe ich in den Lehrveranstaltungen, in denen ich gewesen bin, darauf hingewiesen, dass die Hochschulwahlen überhaupt stattfinden. Diese Möglichkeit gibt es jetzt so nicht. Ich war zwar auch jetzt mehrfach auf dem Campus präsent, aber wenn ich 30 Studierende angetroffen habe, dann ist das zu wenig. Selbst wenn ich mit allen hätte sprechen können, hat man nicht die Breite, die man bei Facebook erreichen kann.

Stand Freitag liegt die Wahlbeteiligung bei knapp sieben Prozent. Das ist ziemlich niedrig. Was glaubst du, woran das liegt und wie man das ändern könnte?

Es liegt sicherlich daran, dass ein Campus-Leben nicht stattfindet. Wenn die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer sichtbar als physische Personen präsent wären, und nicht nur in Online-Formaten, dann wäre die Wahlbeteiligung sicherlich höher. Auch die vergangenen Hochschulwahlen haben nicht den Nerv vieler Studierender getroffen. Insoweit bin ich nicht verwundert, dass es so wenige sind. Auf der anderen Seite ist es ja wirklich leicht, seine Stimme abzugeben. Daher kann ich die Vorbehalte gegen Online-Wahlen nicht mittragen.

Vielen Dank für das Interview!

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