Interview mit Johanna Dangloff, Juso-Hochschulgruppe Kassel und Witzenhausen

Johanna Dangloff posiert vor der Zentralmensa am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)
Johanna Dangloff posiert vor der Zentralmensa am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)

Stell dich und deine Liste doch bitte mal den Lesern vor.

Wir sind die Juso-Hochschulgruppe Kassel und Witzenhausen und mein Name ist Johanna Dangloff und ich saß letztes Jahr schon im Senat für die Juso Hochschulgruppen. Wir sind die einzige Liste, die tatsächlich quotiert antritt. Das heißt, auf Platz eins bei uns steht eine Frau, danach kommt ein Mann (Gabriel Weise) und es folgt wieder eine Frau (Antonia Bachmann) und dann folgt wieder ein Mann (Christian Ecke). Das ist bei den anderen Listen nicht der Fall. Beim SDS zum Beispiel stehen auf Platz 1 und 2 Männer, Frank Kistner ist alleine und daher ist in dieser Liste auch nur ein Mann vertreten. Das spiegelt auch ganz gut unsere Politik wider, weil wir auf jeden Fall für Gleichstellung eintreten, auch gerade im Bereich feministische Arbeit, die mir persönlich sehr wichtig ist. Unabhängig davon treten wir für eine soziale und offene Hochschule ein. Das heißt, dass jede*r so studieren sollte, wie sie*er möchte, und die Möglichkeit für ein Studium bekommt, wie sie*er sich es wünscht.

Könntest du noch mal näher darauf eingehen, wer du bist und was du studierst?

Ich studiere Germanistik und Kunstwissenschaften hier an der Uni. Ich bin seit ungefähr zwei Jahren in der Hochschulpolitik aktiv und auch Mitglied im Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen. Ich würde sagen, dass politischer Aktivismus in meinem Leben viel Zeit einnimmt, aber ich versuche auch noch ein bisschen musikalisch was zu machen, ich lerne gerade ein Streichinstrument.

Wir waren ja eben praktisch schon bei euren Forderungen. Könntest du die Kernforderungen noch mal nennen und den Grund angeben, warum man euch wählen soll?

Wie gesagt treten wir für eine offene und soziale Hochschule ein und haben einen großen feministischen Anspruch an unsere Politik, was in der Umsetzung bedeutet, dass gerade Frauen in all unseren politischen Forderungen noch mal extra mitgedacht werden. Um da konkret zu werden: Das momentane Semester fordert vielen Leuten sehr viel ab und Studierende müssen von Zuhause aus lernen. Das stellt viele, wenn es um die Prüfungen geht, vor eine große Herausforderung. Und deswegen haben wir uns für die Freiversuchsregelung eingesetzt. Wenn es um die Prüfungen geht, denken wir aber noch weiter: Prüfungsformen müssen frei wählbar sein. Wir wollen einen Versuchs-Pool, das heißt, wenn man durch eine Prüfung durchfällt, dass man dann auf einen Pool an Prüfungsversuchen zurückgreifen kann und nicht immer nur die drei Versuche hat, beziehungsweise einmal im Studium noch den Viertversuch. Und natürlich sind auch gute Arbeitsbedingungen für studentische Hilfskräfte ein Kern unserer Forderungen. Die werden immer noch als Sachmittel aufgeführt im Haushaltsplan der Universität. Wir fordern als Juso-Hochschulgruppe, dass es endlich einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte gibt. Das ist nichts, was man direkt über den Senat erreichen kann, aber der Senat kann sich dafür aussprechen und das Präsidium kann sich dann mit den anderen Universitäten zusammentun und die Forderungen nach einem Tarifvertrag unterstützen. Dann ist da noch die Sache mit der Personalvertretung. Studentische Hilfskräfte haben keine Personalvertretung. Aber das sind Arbeitnehmer*innen, die gehört werden müssen und die eine eigene Vertretung verdient haben, weil sie sehr wichtige Arbeit leisten. Ansonsten würde ich sagen, dass der Grund, warum man uns wählen soll, auf jeden Fall der ist, dass wir eine Hochschulgruppe sind, die sich immer offen dafür zeigt, von außenstehenden Personen angesprochen zu werden. Das ist jetzt zwei-dreimal passiert und das nehmen wir auch sehr ernst und das nehmen wir auch mit. Uns ist es wichtig, dass Dinge an uns herangetragen werden, weil wir nicht alle Fachbereiche abdecken können. es ist immer gut, wenn sich Leute an uns wenden. Dafür haben wir immer ein offenes Ohr.

Könntest du für die Leute, die sich überhaupt nicht mit der Hochschulpolitik auskennen, erläutern, was die studentischen Vertreter*innen im Senat bewirken können?

Der Senat ist das höchste beschlussfähige Organ der Universität. Es ist leider so, dass das Gremium immer noch so besetzt ist, dass es neun Professor*innen gibt, fünf Personen aus dem Mittelbau und nur drei studentische Vertreter*innen. Das heißt, wir sind selbst mit dem Mittelbau immer noch in der Minderheit. Und dadurch fällt es uns unheimlich schwer, Dinge zu fordern, wenn nicht auch viele Leute gewählt haben und wir eine Legitimation haben. Denn wenn wir  eine Wahlbeteiligung von zum Beispiel sieben Prozent haben, werden wir dort nicht so ernst genommen wie wenn wir eine Wahlbeteiligung von neunzig Prozent hätten. Es ist daher wichtig, dass alle wählen gehen.

Einbringen können wir uns bei allen studirelevanten Themen, zum Beispiel bei Modulprüfungsordnungen, über deren Änderungen beraten und abgestimmt wird. Oder zum Beispiel den SDG-Prozess, der momentan an der Uni stattfindet. Das steht für Sustainable Development Goals. Da wird ein neuer Fachbereich beziehungsweise ein neues Institut gegründet, der zur Profilbildung der Uni Kassel beitragen soll. Da kann man sich auf jeden Fall immer einbringen. Zum Beispiel wurde da auch von uns kritisiert, dass dieser ganze kapitalismuskritische Teil gestrichen werden sollte aus dem Lehrplan. Dagegen haben wir uns stark gemacht. Das sind die Sachen, für die wir uns einsetzen können. Zum Beispiel haben wir auch die Freiversuchsregelung auf Anstoß der studentischen Vertreter*innen in Angriff genommen und können auf jeden Fall eine starke Stimme für die Studierenden sein und uns für bessere Studienbedingungen einsetzen.

Wir haben jetzt Freitag (26. Juni 2020) und es sind nicht mehr viele Tage, an denen man wählen kann. Die Wahlbeteiligung liegt bislang bei weniger als sieben Prozent. Kannst du dir erklären, woran das liegt und wie man das verbessern könnte?

Die Wahlbeteiligung ist natürlich dieses Jahr noch mal besonders niedrig. Sie liegt ja sonst auch immer bei 13 Prozent. Ich glaube, dass die Umstellung auf die Online-Wahl einfach nicht gut kommuniziert wurde. Wir waren auch gegen die Einführung der Online-Wahl, aber das war ja dann eine Universitätsentscheidung für den Senat. Das Problem dabei ist, dass die Universität dafür aber keine Aufmerksamkeit geschaffen hat. Wir haben, so gut es ging, versucht, am Anfang dafür Werbung zu machen, dass die Wahl stattfindet, und machen natürlich immer noch Werbung dafür. Man muss aber auch ganz klar sagen, ich glaube da können wir uns alle an die Nase packen – egal ob es beim StuPa oder beim Senat ist –, wir müssen auf jeden Fall mehr Öffentlichkeitsarbeit machen für das machen, was wir tun. Wir können hier nicht einfach unser Süppchen kochen und dann erwarten, dass die Leute uns wählen, sondern es ist auch superwichtig, dass wir sehr viel präsenter sind auf dem Campus, auch außerhalb der Wahlen. Das ist etwas, das wir uns vorgenommen haben. Dass wir einfach bessere Ansprechpartner*innen sein können.

Danke für das Gespräch!

Interview mit Tobias Marczykowski, Kooperative Witzenhausen und Die Linke.SDS Kassel

Tobias Marczykowski posiert auf der Treppe des Studierendenhauses am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)
Tobias Marczykowski posiert auf der Treppe des Studierendenhauses am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)

Stell doch bitte dich und deine Liste kurz vor!

Ich heiße Tobias Marczykowski und bin 25 Jahre alt. Ich studiere Politikwissenschaft und Soziologie im Bachelor. Ich repräsentiere heute das Wahlbündnis bestehend aus der Kooperative Witzenhausen und der Linken.SDS. Das Wahlbündnis besteht für den Senat schon seit einigen Jahren und hat sich in Bezug auf die gemeinsame Zusammenarbeit bewährt. Es ist momentan leider nicht im Senat vertreten, aber wir setzen alles daran, dass das demnächst wieder anders ist und wir uns für euch einbringen können.

Du stehst bei euch in der Liste an letzter Stelle. Warum bist du heute als Vertreter hier?

Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Anfrage etwas spontan für uns kam. Richard Finger, unser Spitzenkandidat, ist gerade nicht in Kassel. Ihn hätten wir gerne geschickt. Er hat uns auch schon bei der Podiumsdiskussion stark vertreten. Für die Leute aus Witzenhausen ist es schwierig, spontan nach Kassel zu kommen, gerade in Zeiten von Corona. Dazu kommt, dass in Einbeck heute (Samstag, 27. Juni) eine Demonstration gegen Rassismus und rechte Gewalt stattfindet. Ihr habt sicher mitbekommen, dass dort ein Sprengstoff-Anschlag auf eine Antifa-Aktivistin verübt wurde. Und da ist es klar, dass einige Leute von unserer Liste vor Ort sind. Ich habe heute im Anschluss an dieses Interview noch anderweitig Dinge in Kassel zu tun. Daher haben wir uns kurzfristig darauf geeinigt, dass ich heute die Liste vertreten darf.

Wie manche mitbekommen haben, bist du von deiner Position als zweiter Vorsitzender des AStA zurückgetreten. Außerdem hast du die Hochschulgruppe gewechselt. Was hat es damit auf sich?

Eigentlich möchte ich jetzt ungern allzu viel über mich reden. Ich war lange Zeit im AStA aktiv, stand ihm auch in einer Legislatur vor. An der aktuellen Legislatur habe ich mich noch beteiligt, weil der Umzug ins Studierendenhaus angestanden hat. Das ist eine Sache, die sich drei oder vier Jahre hingezogen hat. Einen großen Teil habe ich mit meiner Kommilitonin Anna Sadok begleiten dürfen. Gerade sie hat da viel Arbeit reingesteckt. Wir wollten, und das war auch ein Anliegen von vielen anderen Personen, diesen Umzug noch bis zum Ende begleiten. Dadurch, dass sich bei solchen Großbauprojekten natürlich immer ein paar Dinge verzögern, ist der Umzug erst Anfang November 2019 geschehen. Ich hatte angekündigt, dass das gerne meine letzte Tat im AStA gewesen wäre. Ich wurde jedoch gebeten, noch bis Ende des Jahres zu verlängern. Dieser Bitte bin ich nachgekommen. Zum Ende des letzten Jahres bin ich dann aber zurückgetreten, auch um mich wieder mehr meinem Studium zu widmen.

Kommen wir wieder zurück zur Liste, abseits deiner Person. Was sind eure Forderungen für den Senat und warum sollte man euch wählen?

Ich würde mit der uns alle entnervenden Aktualität, mit Corona, anfangen. Es ist natürlich sinnvoll, dass Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die Gesundheit aller Studierenden steht an erster Stelle. Man hat jetzt ja an manchen Beispielen (Gütersloh, Tönnies) gesehen, was passiert, wenn man das zu lasch nimmt. Es ist aber insofern schwierig, als dass man auch zeitnah seinen Abschluss schaffen möchte und keine Panik vorm Durchfallen haben will. Wir setzen uns daher für Freiversuche ein. Dafür haben wir uns schon vehement in den verschiedenen Gremien stark gemacht, die wir gerade besetzen können. Darüber hinaus sind wir auch ganz klar dafür, dass diese aus unserer Sicht unsäglichen Spielereien wie Wiederholungspflichten oder Modulblockungen ausgesetzt werden. Ich nenne mal ein konkretes Beispiel: Wer jetzt im Fachbereich 07 bei den WiWis durch eine Klausur geflogen ist, müsste nach aktuellen Gegebenheiten in der aktuellen Situation eine Klausur wiederholen, in der sie oder er ja allgemein schon unter normalen Umständen ihre oder seine Schwierigkeiten hatte. Mir ist nicht bekannt, dass eine andere Liste, die jetzt antritt, auch schon einmal was dazu gesagt hätte.

Eine andere Sache, die man nicht vergessen darf, ist, dass im Senat auch wichtige Kommissionen besetzt werden, zum Bespiel die zentrale QSL-Kommission. Das steht für Qualitätssicherung in Studium und Lehre und dort werden Landesmittel vergeben. Da sind wir momentan zahlreich vertreten und in der letzten Sitzung konnten wir erfolgreich durchsetzen, dass 25.000 Euro bereitgestellt werden, um Sicherheitsmaßnahmen treffen zu können, um das LEO so bald wie möglich wieder zu öffnen.

Wir setzen uns des Weiteren dafür ein, dass die Bibliothek, wenn sie wieder öffnet, ausreichend Platz bietet. Momentan muss der Sicherheitsabstand gewahrt werden, dadurch werden zusätzlich Plätze wegfallen. Für die Zeit, in der die Umbaumaßnahmen weitergehen, haben wir zusätzlich 60.000 Euro erfolgreich beantragt, womit neue Arbeitsplätze geschaffen werden können, die dann hoffentlich dauerhaft existieren.

Die Anonymisierung von Klausuren ist mittlerweile auch ein kleines Alleinstellungsmerkmal. Da haben wir schon an verschiedenen Positionen nachgehakt und damals mit der Fachschaftenreferentin des AStA, die listenunabhängig ist und eine tolle Arbeit macht, viele Impulse gesetzt. Im letzten Sommersemester sollte dazu eine Versuchsphase starten. Das ist aber leider total untergegangen, auch weil das Wahlbündnis aktuell nicht im Senat vertreten ist.

Ein weiterer Punkt, auf den wir aufmerksam machen, ist, dass im letzten Semester die Bundeswehr auf dem Campus war. Wir sind für eine Zivilklausel. Die Zivilklausel ist damals vom Senat bestätigt worden und auch der Präsident hat sich dahinter gestellt. Für uns stellt sich die Frage, wie ernst das genommen wird, wenn die Bundeswehr auf dem Uni-Gelände, in der Zentralmensa, Leute anwerben kann.

Allgemein ist im Senat die kritische Begleitung von Prüfungsordnungen immer ein Punkt. Ich hatte das eben auch schon angedeutet. Das System Studium wird leider immer verschulter. Ein Punkt, der das illustriert, ist, dass es für junge Studierende mittlerweile Elternabende gibt an der Uni. Aber das hat nicht unbedingt was mit dem Senat zu tun.

Was aber durchaus mit dem Senat zu tun hat, ist, dass jetzt zum Beispiel im Fachbereich 16 bei den Informatikern Modulreihungen eingeführt werden, wo dir gesagt wird, dass du Modul 2 erst studieren darfst, wenn du Modul 1 abgeschlossen hast. Dass das zu großen Problemen führen kann, sieht man aktuell zu Coronazeiten. Wenn so eine Veranstaltung nur einmal im Jahr angeboten wird und du das nicht bestehen kannst, selbst wenn es jetzt die Freiversuche gibt, dann hast du ein ganzes Jahr verloren.

Wie läuft die Arbeit im Senat denn konkret ab?

Die traurige Realität ist, dass der Senat aus Studierendensicht sehr ungünstig zusammengelegt ist. Stimmberechtigt sind neun Professorinnen und Professoren, fünf Mitarbeitende und drei Studierende. Die Professorinnen und Professoren haben eine absolute Mehrheit und wenn die sich einig sind, dann überstimmen sie einen. Das war zum Beispiel bei der Diskussion zur Online-Wahl der Fall, wo wir Studierenden uns stark dagegen gewehrt haben, weil es nicht funktioniert, dass die Wahl anonym aber gleichzeitig auch nachvollziehbar gestaltet ist.

Das Mitwirken im Senat erfordert viel Vorarbeit. Man trifft sich in der Regel vorab für mehrere Stunden und kaut die Unterlagen durch. Das sind teilweise Hunderte Seiten, gerade wenn neue Prüfungsordnungen oder ähnliches verabschiedet werden sollen. Dann macht man sich Notizen und unterhält sich mit anderen Kommissionsmitgliedern, zum Beispiel aus der Kommission Studium und Lehre oder der Studiendekanekonferenz. Man macht sich Notizen und stellt Anfragen. Zu Beginn einer Senatssitzung findet immer eine Befragung des Präsidiums statt. Der Präsident leitet die Sitzung, aber auch alle anderen Präsidiumsmitglieder , sitzen vorne und stellen sich den Fragen. Dadurch kann man viel herausfinden. Was aber aus unserer Sicht in der aktuellen Legislatur deutlich zu kurz gekommen ist, sind Anträge aus der Studierendenschaft. Natürlich bedeutet das immer eine zusätzliche Vorbereitung auf die Senatssitzungen. Was ich als Beispiel nennen würde, was das Wahlbündnis erfolgreich eingebracht hatte, war ein Beschluss gegen Rechtsextremismus auf dem Campus. Damals trat die Identitäre Bewegung regelmäßig hier in Erscheinung. Unser Antrag ist im vergangenen Sommersemester im Senat beschlossen worden, nachdem man gemeinschaftlich in einer Arbeitsgruppe einen Text erarbeitet hat, in dem man grundlegend klargestellt hat, dass das hier eine Einrichtung ist für alle Menschen, die hier lehren und lernen wollen. Und dass man da keine Abstriche machen kann aufgrund von Herkunft, Sexualität oder Geschlecht.

Alles in allem ist die Arbeit im Senat aber durchaus machbar, weil der Senat in der Regel nur alle drei Wochen tagt. Die kürzeste Senatssitzung, die ich erlebt habe, hat eine Stunde gedauert. Da stand einfach nicht viel auf dem Programm. Da hat man sich nett unterhalten und ist anschließend nach Hause gegangen. Ich war aber auch neulich als Vertretung in einer Senatssitzung und diese Sitzung hat über sechs Stunden gedauert. Das ist ganz schön anstrengend, weil es im Senat keine Pausen gibt. Und es war sogar doppelt anstrengend, weil ich digital zugeschaltet war und man da gesehen hat, dass das digitale Semester harte Nachteile hat. Ich habe die Hälfte nämlich akustisch nicht verstanden.

Du sprachst eben schon die geringe Wahlbeteiligung bei den Senatswahlen an. Bis Freitag waren es knapp sieben Prozent. Was meinst du, woran das liegt und was man daran ändern könnte?

In der aktuellen Situation haben viele Leute andere Sorgen. Es sind Existenzängste, die gerade herrschen. Da gibt es sicherlich auch wichtigere Dinge. Wenn man gerade gucken muss, wie man über die Runden kommt, hat man dafür nicht den Kopf frei. Oder wenn man gucken muss, dass man mit dem Stoff hinterherkommt, weil es schwierig ist, weil man keine Vorlesungen besuchen kann. Da ist unser Ziel, durch unsere Arbeit für Entlastung zu sorgen und Studieren weiterhin möglich zu machen.

Ein anderer Punkt ist, dass die Wahlbeteiligung an den Universitäten leider allgemein immer schon ziemlich niedrig liegt. Die ist ja bei der letzten Wahl in Kassel auch deutlich gesunken. Dazu kommt, dass jetzt gerade „nur“ die Senatswahl ist. Der Senat ist für viele nicht greifbar. Das liegt vielleicht auch an einer mangelhaften Transparenz. Von den Sustainable Development Goals, die ein Riesenthema gewesen zu sein scheinen in der laufenden Legislaturperiode im Senat, haben viele nichts mitbekommen. Und in diesem Zusammenhang muss man tatsächlich das Universitätspräsidium lobend erwähnen. Die haben diese oder letzte Woche eine Rundmail geschickt, mit der sie Transparenz schaffen wollen. Diese Transparenz hat uns  von studentischer Seite in der aktuellen Senatslegislatur gefehlt und wir konnten sie als Nicht-Mitglieder auch nicht schaffen. Dazu kommt, dass leider einige Dinge vollkommen hinten runter gefallen sind wie auch etwa die Diskussion rund um die Kunsthochschule und ihren Status als „teilautonom“. Als Wahlbündnis machen wir uns auch für die Außenstandorte stark, die oftmals etwas stiefkindlich behandelt werden wie etwa die Kunsthochschule oder Witzenhausen.

Viele Dinge, die Studierende eher interessieren würden, wie das Kultur- und Semesterticket, sind zudem Angelegenheiten, die nicht im Senat geklärt werden.

Es ist supertraurig, wenn es eine einstellige Wahlbeteiligung gibt und das wird sich hoffentlich wieder bessern, wenn die studentischen Wahlen sind.

Online-Wahlen wurden vom Universitätspräsidium als Heilsbringer verkauft für eine steigende Wahlbeteiligung. Das sieht jetzt gar nicht gut aus. Zumal man bedenken muss, dass man knapp zwei Wochen wählen konnte. Die händischen Wahlen und, da muss ich jetzt auch mal fies sein und sagen, die wirklich demokratischen Wahlen haben immer drei Tage gedauert und da war man dann zweistellig. Es wird sehr spannend, ob das noch erreicht werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview mit Frank Kistner, Verbesserung der Studienbedingungen – Die unabhängige und starke Kraft der Studierenden

Frank Kistner posiert vor dem LEO am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)
Frank Kistner posiert vor dem LEO am Campus Holländischer Platz (Foto: Paul Bröker)

Stell dich und deine Liste doch bitte kurz vor!

Mein Name ist Frank Kistner und ich studiere Wirtschaftspädagogik. Meine Liste „Verbesserung der Studienbedingungen“ ist eine Neugründung und besteht nur aus meiner Person, weil es in der Kürze der Zeit und unter Corona-Bedingungen nicht möglich war, mit mehreren Leuten aufzuwarten.

Damit hast du eigentlich schon die zweite Frage beantwortet, die ich dir stellen wollte: „Wie ist es dazu gekommen, dass du die einzige Person auf deiner Liste bist?“ Dennoch die Nachfrage: Es gab Anmerkungen seitens anderer Listen, dass damit eine Ausweichperson im erweiterten Senat verloren geht und dass, wenn du krank bist, deine Vertretung fehlt. Wie reagierst du darauf?

Das ist ein sehr hypothetischer Fall. Die Einzelbewerbung ist durchaus zulässig. Mir ist es wenigstens gelungen, rechtzeitig den Wahlvorschlag abzugeben, was man von anderen nicht behaupten kann. Und im Fachbereichsrat kandidiere ich auch. Da bin ich jetzt seit einem Jahr Mitglied. Letztes Jahr habe ich da ebenfalls als Einzelbewerber kandidiert und bin gegen 16 andere Mitbewerber gewählt worden. Insoweit, denke ich, ist das in Ordnung.

In diesem Jahr hat meine Liste „Aufrecht für Wipäd, Wiwi und Wirtschaftsrecht“ schon sieben Kandidatinnen und Kandidaten und bewirbt sich nun allein – ohne Konkurrenzliste –  für die drei Sitze im Fachbereichsrat Wirtschaftswissenschaften.

Was sind deine Forderungen und warum sollte man dich wählen?

Bei mir ist der Name Programm: Verbesserung der Studienbedingungen. Ich firmiere als unabhängige und starke Kraft. Mein Fokus liegt eindeutig auf den Studienbedingungen und ich glaube, dass da in der Vergangenheit zu wenig passiert ist. Häufig war die Wahl für die Senatoren ein Anhängsel von den StuPa- und AStA-Wahlen und wir haben jetzt erstmalig einen Wahlkampf um die studentischen Plätze im höchsten beschlussfassenden Gremium. Ich denke, dass es höchste Zeit ist, dass man die Studienbedingungen in den Mittelpunkt der Hochschulpolitik rückt.

Könntest du ein bisschen konkreter werden? Inwiefern sollen die Studienbedingungen verbessert werden?

Wir haben eine schlechte Betreuungsrelation verglichen mit anderen Universitäten. Neulich hat mal jemand publiziert, dass sie im Durchschnitt bei 1:60 liegt. Wir liegen in Kassel, glaube ich, bei 1:80. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wir hinken hinterher im Bereich der Digitalisierung und des Online-Studierens. Wir haben die Umstellung unter den widrigen Umständen eigentlich ganz gut hinbekommen, aber um das valide zu machen, müssen wir jetzt auch die Lernwirkung erforschen und uns dranmachen, sowohl die digitalen Formate als auch die Präsenzformate deutlich zu verbessern.

Könntest du erklären, wie man die studentischen Interessen im Senat besser durchsetzen kann. Was sind deine Vorschläge?

Man braucht natürlich Bündnispartner. Wir haben ja, was vielleicht die meisten Wählerinnen und Wähler nicht kennen, eine Wahl, bei der die Mehrheit des Gremiums schon vorher feststeht. Sie liegt bei den Professoren mit neun Sitzen. 25 Tausend Studierende werden, wenn man so will, mit drei Mandaten abgespeist. Das sind schon mal schlechte Voraussetzungen, etwas durchzusetzen. Gleichwohl gibt es Bündnispartner und es kann der Hochschulleitung auch nicht egal sein, über die Interessen von 25.000 und mehr Studierenden hinwegzugehen. Sollte ein neuer Präsident gewählt werden, kann ich mir vorstellen, dass man ihn oder sie von Studierendenseite nur unterstützt, wenn es auch Zugeständnisse für die studentische Mitbestimmung gibt. In den Prüfungsausschüssen sitzt in der Regel nur ein Studierendenvertreter gegen vier andere Vertreter und es ließe sich leicht festlegen, dass in jedem Prüfungsausschuss mindestens zwei Studierende sitzen. Dann kann man sich in den Diskussionen wechselseitig unterstützen und steht nicht allein gegen eine Übermacht. Und dass das möglich ist, kann man schon daran sehen, dass wir in den Fachbereichsräten nicht das Verhältnis 3:9 haben, sondern 3:7, was die Professoren anbelangt. Insoweit gibt es da Regelungsmöglichkeiten.

Ich möchte noch einmal auf deine Wahlkampfstrategie eingehen. Du hast auf Facebook ziemlich viel in der Uni-Kassel-Gruppe gepostet. Was war dabei der Hintergedanke?

Auch im letzten Jahr habe ich Facebook-Wahlkampf gemacht. Ich habe meine Forderungen einzeln ins Netz gestellt und konnte somit an Likes und ähnlichen Dingen erkennen, was aus Sicht der Wählerinnen und Wähler wichtige Forderungen sind und welche Dinge weniger bedeutsam eingeschätzt wurden. Im letzten Jahr habe ich mich als einer der wenigen mit Zetteln vor die Hörsäle gestellt. Zudem habe ich in den Lehrveranstaltungen, in denen ich gewesen bin, darauf hingewiesen, dass die Hochschulwahlen überhaupt stattfinden. Diese Möglichkeit gibt es jetzt so nicht. Ich war zwar auch jetzt mehrfach auf dem Campus präsent, aber wenn ich 30 Studierende angetroffen habe, dann ist das zu wenig. Selbst wenn ich mit allen hätte sprechen können, hat man nicht die Breite, die man bei Facebook erreichen kann.

Stand Freitag liegt die Wahlbeteiligung bei knapp sieben Prozent. Das ist ziemlich niedrig. Was glaubst du, woran das liegt und wie man das ändern könnte?

Es liegt sicherlich daran, dass ein Campus-Leben nicht stattfindet. Wenn die Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer sichtbar als physische Personen präsent wären, und nicht nur in Online-Formaten, dann wäre die Wahlbeteiligung sicherlich höher. Auch die vergangenen Hochschulwahlen haben nicht den Nerv vieler Studierender getroffen. Insoweit bin ich nicht verwundert, dass es so wenige sind. Auf der anderen Seite ist es ja wirklich leicht, seine Stimme abzugeben. Daher kann ich die Vorbehalte gegen Online-Wahlen nicht mittragen.

Vielen Dank für das Interview!

Die neue meinetwegen ist da!

meinetwegen vor Mensa

Die neue meinetwegen ist da! Und sie hat sich für euch schon mal auf dem Campus umgeschaut – natürlich mit deutlichem Abstand zu allen anderen Studierenden.

Ab sofort könnt ihr euch das Campusmagazin an der Info-Theke des Campus-Centers während der Öffnungszeiten abholen. Aufgrund der Corona-Pandemie können wir die meinetwegen derzeit leider nur dort verteilen.

Hier könnt ihr das Magazin im Browser lesen: 
https://www.yumpu.com/s/90UK1nVYlbkv8LSg

Und ihr könnt es euch auch als PDF herunterladen:
http://www.mediafire.com/…/1uksa…/meinetwegen_Nr._2.pdf/file

Viel Spaß beim Durchblättern!

Wir freuen uns sehr über Feedback und Kritik, schreibt uns dazu einfach eine Nachricht an mail@meinetwegen-magazin.de

Wie geht’s weiter mit dem AK Medien?

Autor*innen gesucht: Sowohl metzger*innen und meinetwegen freuen sich über Verstärkung!

Alle, die sich wundern, ob es den Arbeitskreis Medien an der Universität Kassel noch gibt, können beruhigt sein: Ja, es gibt uns noch, auch wenn auf dieser Seite, das gestehen wir ein, in letzter Zeit nicht viel passiert ist. Das soll sich ändern!

Wir möchten euch hiermit einen Überblick über unsere Aktivitäten geben.

Ende Januar ist unser neues Campusmagazin „meinetwegen“ erschienen. Es ersetzt die bisherige „Medium“, die bereits seit fast zwei Jahren nicht mehr als Printausgabe erschienen ist. Neben anregenden Berichten über den Uni-Alltag findet ihr in der „meinetwegen“ auch kritische Einordnungen und nützliche Informationen über Partys und andere Veranstaltungen. Das Magazin soll von nun an alle zwei Monate erscheinen. Die nächste Ausgabe kommt also Anfang April heraus.

Zwar liegt hier und dort noch ein Metzger*innen-Heft auf dem Campus herum, dabei handelt es sich jedoch immer noch um die zweite Ausgabe, die bereits Anfang des Wintersemesters 2019/20 herausgekommen ist. Die dritte Ausgabe mit dem Oberthema politische Strömungen ist bislang nicht über die Planung hinausgekommen. Das liegt vor allem daran, dass die Redaktion einige Abgänge zu verzeichnen hatte und nun händeringend Verstärkung sucht. Aber auch Einsendungen zum neuen Oberthema sind sehr willkommen, damit das nächste Heft noch vor Ende des Sommersemesters erscheinen kann.

In den nächsten Wochen wird außerdem über eine neue Satzung abgestimmt, die den aktuellen Bedingungen im Arbeitskreis Rechnung trägt. Damit wir in Zukunft auch vernünftig am Layout für die Magazine arbeiten können, haben wir die Anschaffung eines leistungsstarken Notebooks beschlossen. Das letzte Notebook ist nämlich leider einem Einbruch zum Opfer gefallen. Zudem können alle interessierten Redakteure kostenfrei eine Lizenz für die Programme der Adobe Creative Cloud erhalten. Damit die Grafikanwendungen auch fachgerecht benutzt werden können, planen wir Workshops, zu denen wir erfahrene Dozenten einladen, die uns die Funktionen von Photoshop, InDesign und Co. beibringen werden. Vielleicht hast du ja auch Bedarf an einem Gestaltungs-Crashkurs. Dann melde dich bei uns!

Eine weitere Möglichkeit, uns kennenzulernen, bietet sich im Anfang Mai. Dann fahren fünf Mitglieder zur Digitalkonferenz re:publica und hören sich die Vorträge an, knüpfen Kontakte und berichten für die beiden Redaktionen von dem Event. Fünf weitere Plätze sind für Studierende reserviert, die Lust haben, sich uns anzuschließen. Die einzige Bedingung ist, dass man einen Bericht zur Konferenz verfasst – das kann ein Text, eine Bilderstrecke, ein kurzer Podcast oder ein Video sein – und ihn uns kostenlos zur Publikation durch unsere Medien zur Verfügung stellt. Die Exkursion nach Berlin ist kostenlos und alle weiteren Infos findet ihr in diesem Aushang (PDF).

Zu guter Letzt möchten wir euch über bevorstehende Änderungen an dieser Website informieren. Wir werden in naher Zukunft auf eine andere Domain wechseln. Die namensgebende „Medium“ ist als Magazin Geschichte und die Hochschulberichterstattung findet von nun an hauptsächlich im neuen Printmagazin „meinetwegen“ statt. Diese Website dient bald nur noch zur Information über den Arbeitskreis Medien (Treffen, Ankündigungen) und verweist auf die Projekte innerhalb des Arbeitskreises.

Die „meinetwegen“ erhält daher in nächster Zeit eine eigene Website, die Domain ist bereits aktiviert, jedoch begrüßt euch dort noch der Platzhalter unseres Hosting-Anbieters. Habt etwas Geduld mit uns. Auf der fertigen Website findet ihr dann die aktuellen Ausgaben der „meinetwegen“ als PDF-Download und könnt euch über unsere Redaktion informieren.

Impressionen vom Markt der Möglichkeiten

Freitag, 1. November 2019: Im neuen Studierendenhaus am Universitätsplatz 10 tummeln sich viele Studenten, die gerade aus ihren Seminaren gekommen sind. Es ist Markt der Möglichkeiten und die Hochschulinitiativen präsentieren ihre Angebote. Wir haben uns für euch an den Ständen umgesehen und präsentieren euch die Aussteller in einer Fotogalerie. Viel Spaß beim Durchklicken!

Die Eröffnung des Studierendenhauses steht bevor

Das Studierendenhaus von vorn. In der Mitte sieht man den Eingangsbereich. (Fotos: Paul Bröker)

Am 1. November wird das neue Studierendenhaus eröffnet. Wir haben uns für euch schon mal in dem fertiggestellten Bau umgesehen und schildern die Eindrücke der neuen Bewohner.

Alica Reuter kriegt sich mit den Lobeshymnen über das neue Studierendenhaus gar nicht mehr ein: Es sei „100 Pro“ eine Verbesserung, total gelungen und biete wesentlich mehr Platz. Alica ist Mitglied beim Autonomen SchwuLesBiTrans*Queer+ Referat und hat soeben mit Referentin Anne Koch und ihrer Mitstreiterin Clara Coldewey den neuen Sitz des Referats im zweiten Stock des Studierendenhauses bezogen. Die Regale sind schon voller Bücher und man könnte meinen, dass das Referat schon bereit sei für die ersten Besucher.

Referentin Anne Koch (l.) zusammen mit Alica Reuter und Clara Coldewey vom Autonomen SchwuLeBiTrans*Queer+ Referat an der Uni Kassel in ihrem neuen Raum im Studierendenhaus.
Referentin Anne Koch (l.) zusammen mit Alica Reuter und Clara Coldewey vom Autonomen SchwuLesBiTrans*Queer+ Referat an der Uni Kassel in ihrem neuen Raum im Studierendenhaus.
In den anderen Räumen stapeln sich noch die Umzugskartons und warten darauf, ausgepackt zu werden.
In den anderen Räumen stapeln sich noch die Umzugskartons und warten darauf, ausgepackt zu werden.

In den Räumen, in denen die anderen autonomen Referate und die Referate des AStAs ihren Sitz haben werden, stapeln sich noch die Umzugskartons und warten darauf, ausgepackt zu werden. Aber auch hier ist die Verbesserung der Raumsituation deutlich zu sehen. Alle Referate hätten nun bessere und meist auch größere Räume, so Alica. „Und sie sind so schön hell!“ Die drei jungen Frauen vom Autonomen SchwuLesBiTrans*Queer+ Referat freuen sich insbesondere darüber, dass ihr Raum nun endlich auch für anonyme Beratungen geeignet ist. Im bisherigen Sitz in der Nora-Platiel-Straße konnten Passanten den Hilfesuchenden beim Betreten des Referats noch zusehen.

Die große Glasfront der Eingangshalle zeigt zum ASL-Neubau.
Die große Glasfront der Eingangshalle zeigt zum ASL-Neubau.
Auf der ersten Ebene finden sich die Referate des AStAs.
Auf der ersten Ebene finden sich die Referate des AStAs.

Referentin Anne Koch hebt hervor, dass bei dem Umbau des Gebäudes am Universitätsplatz 10 der Charme von Altem und Neuem kombiniert wurde. Sie hält das Gebäude sogar für besser gelungen als das Campus Center an der Moritzstraße. Über dieses Kompliment freut sich sicherlich auch Architekt Carsten Peters vom Büro Kreter Peters Lubenow, der in den vergangenen Jahren für den Umbau des Gebäudes zuständig war. Im Herbst 2016 bekam sein Büro den Auftrag, die Vorentwürfe, die aus einem Wettbewerb unter Architektur-Studierenden hervorgegangen waren, weiterzuentwickeln. Im Herbst 2017 begannen dann die Abbruchsarbeiten an den ehemaligen Kopfbauten, wo früher von der Firma Gottschalk LKW-Planen und Zelte imprägniert wurden, weshalb auch eine aufwändige Altlastensanierung erforderlich war. Im Frühjahr 2018 konnte schließlich mit den Rohbauarbeiten begonnen werden. Die reine Bauphase betrug damit circa anderthalb Jahre.

Architekt Carsten Peters begleitete die Umbauarbeiten am neuen Studierendenhaus.
Architekt Carsten Peters begleitete die Umbauarbeiten am neuen Studierendenhaus.

Architekt Peters ist glücklich darüber, dass das Gebäude nicht durch einen Neubau ersetzt wurde. Zwar sei die Sanierung nicht unbedingt günstiger gewesen als ein kompletter Neubau, doch habe man ein Gebäude erhalten, das die Nutzungsspuren der Vergangenheit zeige und somit nicht glatt und austauschbar sei. Zudem sei das Gebäude ein Zeugnis des Industriestandorts in der Nordstadt, auf dessen Grund nun 25.000 junge Leute studieren. Beim Bau der Universität Kassel in den frühen 1980er-Jahren seien viele erhaltenswerte Gebäude zerstört worden. Dass die Kopfbauten erhalten bleiben, sei ein Signal.

Trotz des industriellen Charakters, der den alten Backstein mit modernen Elementen aus Stahl und Beton verbindet, ist das Studierendenhaus ein Modellprojekt für energetische Sanierung. So wurde in Teilbereichen eine Innendämmung vorgenommen und die CDW-Stiftung finanzierte eine Photovoltaik-Anlage für das Dach, deren Erträge für Energieeffizienzmaßnahmen reinvestiert werden müssen.

Das neue Kulturzentrum "Färberei" befindet sich im Keller des neuen Studierendenhauses.
Das neue Kulturzentrum “Färberei” befindet sich im Keller des neuen Studierendenhauses.
Aus dem zweiten Stock des Studierendenhauses hat man eine wunderbare Aussicht auf den Campus am Holländischen Platz.
Aus dem zweiten Stock des Studierendenhauses hat man eine wunderbare Aussicht auf den Campus am Holländischen Platz.

Im Keller des Studierendenhauses befindet sich jetzt das Kulturzentrum „Färberei“. Dort finden 300 bis 400 Leute Platz. Bei der Besichtigung wurde noch an der Theke gewerkelt, aber rechtzeitig zur Einweihungsparty am 1. November 2019 sollte alles bereit sein.

Wollt ihr euch selbst einen Eindruck vom neuen Studierendenhaus verschaffen? Dann kommt am 1. November 2019 zwischen 13 Uhr und 16 Uhr zum Markt der Möglichkeiten. Auch der Arbeitskreis Medien wird mit einem eigenen Stand vertreten sein und stellt die neueste Ausgabe des Magazins “Metzger*innen” vor.

Klausurtagung in Göttingen: Neustart des AK Medien

Welche Struktur soll der Arbeitskreis Medien in Zukunft haben? Wie können Redakteure und andere Mitarbeiter geworben werden? Und: Wie kann in Kassel eine studentische Medienlandschaft entstehen? Mit diesen Fragen im Kopf begaben sich am Samstag, den 24. Februar die Mitglieder des Arbeitskreises Medien zu einer zweitägigen Klausurtagung nach Göttingen. „Klausurtagung in Göttingen: Neustart des AK Medien“ weiterlesen