Zoom-Podiumsdiskussion zur Corona-Hochschulwahl: Gender-Studies, Mobilität und die Schwierigkeiten der Digitalisierung

Ein Bild aus vergangenen Tagen: Die StuPa-Sitzung am 29. Januar 2020 war eine der letzten vor der Corona-Pandemie. (Foto: Paul Bröker)

Dass die laufende Pandemie uns alle jenseits der normalen Grenzen belastet, ist kein Geheimnis. Die neue digitale Herausforderung ist auch daran deutlich geworden, dass die Zoom-Konferenz wegen technischer Probleme nicht wie geplant als Video on demand bis zur Wahl abrufbar ist. Dennoch fassen wir im Folgenden für euch die Veranstaltung zusammen.

Themen der virtuellen Podiumsdiskussion

Die kurze Vorstellungsrunde der Spitzenlistenplätze der Hochschulgruppen zeigte die Schwierigkeiten, die in dieser Legislatur anzugehen sind: Das Spektrum reichte von mehr Diversität und Inklusivität an der Uni sowie in Literatur und Lehre, der Aufarbeitung von kolonialistischen und militaristischen Momenten in Vergangenheit und Gegenwart der Uni bis hin zu einem fairen Semesterticket.

Besprochen wurden auch mehr studentische Beteiligung, eine paritätische Besetzung des StuPa sowie eine bessere Einbindung der Außenstandpunkte der Uni, allen voran Witzenhausen.

Große Themen waren auch die Verbesserung der Studienbedingungen, Freiversuche in Corona-Zeiten und die Unterstützung finanziell geschwächter Studenten durch Fonds. Zudem sei das eher provisorisch aufgebaute Digital Learning ein zentraler Punkt, der vielen Studierenden Schwierigkeiten bereite, denn Dozenten stünden oft bestenfalls via Moodle-Foren Rede und Antwort und digitale Seminare bedeuteten vielmehr regelmäßige, in einigen Fällen sogar wöchentliche Abgaben und vergrößerter Arbeitsaufwand ohne den so wichtigen studentischen Austausch oder die durchaus wichtige Anleitung durch die Universitätslehrenden.

Zudem diskutierten die Kandidatinnen und Kandidaten, ob die anstehende kurze Legislatur dazu genutzt werden soll, hochschulpolitisch relevante Strukturen, wie etwa die Finanzen des AStA, zu überdenken.

Zur Disposition standen in der knapp zweistündigen Debatte vor allem die Fragen nach Inklusivität und Lebenswirklichkeiten innerhalb, aber auch außerhalb der Universität.

Meinungen zur universitären Militärforschung

So öffneten sich die eher liberal orientierten Listen auch der traditionell in studentischen Kreisen eher verpönten Militärforschung. Sie verwiesen dabei auf eine gewisse Abhängigkeit der Stadt von der Industrie und die Freiheit der Wissenschaft. Für die Militärforschung spräche vor allem der Nutzen für Kassel, und dass außerhalb der Universität diese Forschung ohnehin stattfinde – ganz unabhängig davon, ob sich Studierende für eine Zivilklausel stark machten.

Der Freiheit der Forschung stellten linksgerichtete Listen entgegen, ob diese auch Professoren erlaube, Rassenforschung anzustellen, wie im Fall des Biologie-Professors Ulrich Kutschera der Vorwurf lautet. Dies verneinten alle Listen gleichermaßen.

Listen linker Prägung ging es vor allem um eine Aufarbeitung kolonialistischer und rassistischer Begriffe und der militär-industriell geprägten Geschichte der Uni.

Gender-Sprache

Gleichwohl sollen sich alle Geschlechter willkommen und inkludiert fühlen. Ideen hierzu reichten von einer Quotierung der Redebeiträge und des StuPa bis hin zur Gender-Pflicht in den Hausarbeiten. Wer dabei genau wie viel Mitspracherecht erhalten soll, darüber herrschte teils starke Diskrepanz unter den Kandidatinnen und Kandidaten.

Hessenweites Semesterticket

Einen weiteren Dauerbrenner der Hochschulwahl stellt nach wie vor die Forderung nach einem hessenweiten Ticket dar. Einige Listen wollen die kurze Legislatur dazu nutzen, Studierende danach zu befragen, wie sie ihr Ticket derzeit verwendeten: Welche Strecken werden überhaupt benötigt und welche Nachfrage liegt konkret vor?

Auszubildende würde ein Ticket für ganz Hessen lediglich einen Euro pro Tag kosten. Für einige Studierende stelle jedoch eine Preiserhöhung um geschätzt 50 Euro eine große Hürde dar. Dies bezeichneten viele Kandidaten als unsolidarisch. Auch sei der mittel- und südhessische Nahverkehrsverbund RMV ein schwieriger Verhandlungspartner, der bei einer Erweiterung des Tickets Studierende stark finanziell belasten könnte.

Onlinewahl

Durch Corona ergibt sich neuerdings auch eine Kontroverse um die Möglichkeit einer Onlinewahl (wir berichteten).

Am besten sei diese in Kooperation mit der Universitätsleitung zu ermöglichen, was sich bisher aber durch die besondere Situation nicht organisieren ließ. Für die Onlinewahl wäre man auf einen Privatanbieter angewiesen gewesen, was Bedenken bezüglich des Datenschutzes der Wähler ausgelöst hätte.

Ohne online wählen zu können, müssen sich jetzt die Wählerinnen und Wähler zur Briefwahl registrieren oder inmitten eines verschärften Lockdowns an die Urnen treten.

Uni-Bistro K10

In der vergangenen Woche forderten zudem manche Studierende, mit den entsprechenden Hygieneregeln das beliebte Uni-Bistro K10 wiederzueröffnen. Je länger der Lockdown anhält, desto mehr Streit werde darüber entstehen, wie die herkömmlichen studentischen Treffpunkte wieder zur Verfügung gestellt werden könnten, ist man sich in der Runde sicher.

Technische Probleme

Livestreams sind derzeit notwendig, damit die Studierenden sich vor der Wahl über die Positionen der politischen Hochschulgruppen informieren können. Weil sie praktisch dazu gezwungen werden, physisch an die Urne zu treten, während sonst überall in der Stadt der Lockdown herrscht, muss ihnen zumindest die Entscheidungsfindung erleichtert werden.

Jedoch haben zeitgleich zur Podiumsdiskussion noch immer einige Seminare stattgefunden und nicht alle übrigen Wahlberechtigten konnten rechtzeitig von ihrem Nebenjob, sofern er denn mit Coronaregeln vereinbar ist, nach Hause kommen.

Auch den studentischen Journalismus hätte es enorm erleichtert, mit digitalen Hilfsmitteln die umfangreiche Veranstaltung nachrecherchieren zu können. Daher bleibt es unverständlich, dass die Podiumsdiskussion nicht wenigstens bis zum Wahltag online als Video on demand bereitgestellt worden ist. Hier gibt es gehörigen Klärungsbedarf, denn auch in pandemieabsenten Jahren hat eine sogar dauerhafte Speicherung der Wahlveranstaltung tadellos funktioniert.

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