Abschaum, Pöbel und mein persönlicher Neuanfang

Der Korridor zwischen den Hörsälen 1–3 und der Universitätsbibliothek der Uni Kassel am Holländischen Platz (Foto: Matthias Hauzel)
Der Korridor zwischen den Hörsälen 1–3 und der Universitätsbibliothek der Uni Kassel am Holländischen Platz (Foto: Matthias Hauzel)

Zwischen Erwartung und Realität fällt der Schatten … Warum man Schlachthöfe mit Kultur verbindet … Idylle in der Friedrich-Ebert-Straße … Verdict? …

Nun, wo zum Teufel fange ich in diesem Stück über meinen Studienstart an … die Erlebnisse meiner ersten beiden Wochen in Kassel summieren sich zu einer irisierenden Sammlung von Unhöflichkeiten, öffentlich zur Schau gestellter Obszönität, zwischenmenschlicher Inkompetenz, morgendlicher Trunkenheit und allen erdenklichen Lastern, die in jenen Seelen schlummern, welche man in die Nacht verbannt hat. In fünf aufeinanderfolgenden Nächten habe ich bedeutungsvoll über den Sinn meines Studiums nachgedacht, und all die böswilligen Gedanken aufgeschrieben, die sich tagsüber unabwendbar in meinem Kopf ansammelten. Alle halbe Stunde verspürte ich den tiefen Drang, einen Amphetaminbeutel hervorzuholen und ein Gramm vom Küchentisch in meine Nasenhöhle zu ziehen, sodass meine Augen nach einer Dosis bald einen Moment wie zusammengeschweißt durch die Küche schielten. Eine geballte Ladung Speed schafft jegliches rationale Zeitempfinden ab, was in schreibwütigen Nächten und vollgekritzelten Seiten resultiert. Das Wenigste davon eignet sich für Publikationen, aber es ist eine gute Übung für Schreiber, die keine Abneigung gegen Drogengebrauch haben. Jeder Schreiber auf dieser Welt kennt das Ringen mit dem eigenen Gewissen, wenn man aus seinem Umfeld berichtet. Das ist alles nur Geschwätz von einem dummen Speedjunkie, redete ich mir wieder und wieder ein und warf das halbgare Flickwerk in den 

Papiermüll. Was davon übriggeblieben ist, habe ich in diesem Bericht zusammengefasst. In den vergangenen vierzehn Tagen wurde ich von schlechtem Temperament jener Art besessen, das einen dazu verleitet, einen Landstreicher, der sich selbst den Richter nennt, als vertrauenswürdigsten Kontakt in der Stadt zu erachten. Aber zu all dem komme ich später zurück, denn eigentlich möchte ich ja einen Bericht über den Studienstart schreiben. 

In ein paar Worten: Es war ein einziges Trübsal, mit meinen Mitstudierenden über den Campus zu schlendern, während wir Gänseschritt spielten und unseren kompetenten Fachschaftskommilitonen ein Ohr liehen. Die Inkompetenzen, die uns ein pietätvolles und elegantes Miteinander verwehrten, gehen komplett auf mein Konto und stellvertretend auf das aller Erstis. Aber was soll man da schon sagen? Wir sind alle Frischfleisch für den elitären Club der Akademiker. Es ist keine Schande, dass am Morgen des siebten Oktobers etwa 100 neue Studenten der Geisteswissenschaften sich wie auf ihrer Einschulung verhielten. Ein Studienanfänger verwechselte mich während der Führung über den Campus fälschlicherweise mit seinem besten Freund, nachdem er sich mit meinem Feuerzeug eine Zigarette anzündete. Er bedankte sich überaus wohlwollend und ich sah ihm, ebenso wohlwollend, in die Augen, nahm ihn zur Seite und nuschelte ihm ins Ohr: „Hey, Klaus, richtig? Wie würdest du es finden, wenn wir uns am Wochenende treffen, und ich dich mit dem Richter bekannt mache? Er könnte dir leicht einen Job verschaffen, wenn du verstehst was ich meine.“ 

Augenblicklich schnellte er mir davon und seitdem habe ich ihn am Campus nicht mehr gesehen. 

Am 16. Oktober stand die Begrüßung an der Kunsthochschule auf meinem Plan. Mittwochmorgen wollte ich auf der Tramlinie 5 vom Hauptbahnhof runter in die Südstadt fahren. Ich war spät dran, und als ich den Bahnsteig entlangrannte, stolperte ich dem Richter über den Weg. In der Woche zuvor sabbelte er mich bei meiner Ankunft voll, als ich auf dem Bahnhofsvorplatz eine Zigarette rauchte. Er wollte mir Kokain verkaufen, und unterrichtete mich darüber, dass man investieren müsse. 

20 Euro für eine Bombe! 60 Euro das Gramm. Kauf ein Gramm, wickle drei Portionen in Klopapier und verkauf sie für 20 Euro. Das macht 40 Euro Gewinn! 

Sag deinen Freunden, der Richter sagt: Investiert euer Geld! 

Er sah so mitgenommen aus wie der letzte Rest Hirnmasse, der noch aus ihm sprach. Seine Zähne waren gelb und schief, sein Bart war zottelig, und sein Haar Straßenköterblond und ungewaschen. Aber ich wollte mich nicht mit ihm streiten und er stank auch nicht zum Himmel wie vergleichbare Exemplare. Also ließ ich ihn weiterreden. Eine dumme Entscheidung, weil er mich nach unserem zweiten Rendez-Vous erkannte und mich an mehreren Tagen durch die Stadt verfolgte. Bis zum Ende der zwei Wochen trieb er mich bis zur schieren Weißglut. Sogar von wüsten Beleidigungen und Drohgebärden meinerseits ließ er sich nicht verscheuchen. 

Vergangenen Samstag probierte ich ein paar Cafés an der Friedrich-Ebert-Straße aus. Ich lasse mich beim Schreiben gerne von der Geschäftigkeit im Gastronomiebetrieb betören. Auf diese Weise baue ich schnell die nötige Konzentration auf, die man braucht, um tiefe Ergründungen des Alltagslebens auszuformulieren, wie diese hier. Ich trank meinen dritten Kaffee, als der Richter meinen Tisch passierte und sich plötzlich umdrehte. Ungefragt setzte er sich zu mir an den Tisch und fing an zu schwafeln. Sein Tonfall war hastig und zittrig und seine abgehackten Gesten verrieten mir, dass er entweder auf Entzug oder bis unter den Deckel auf Sendung war. Ich konnte nicht anders, als mir vorzustellen, wie er in irgendeiner zwielichtigen Gasse in der Nordstadt seinen schmutzigen Geschäften nachging. 

„Hey Kumpel“, sagte ich. „siehst du nicht, dass ich arbeite?“ Er stoppte abrupt sein Palaver und schaute mich mit offenem Mund an. 

Wieder schauten seine schiefen Zähne heraus, und ungläubig fragte er mich: „Arbeiten? Wo bist du denn am Arbeiten? Du sitzt hier doch bloß rum und trinkst Kaffee!“ 

„Zieh Leine, du Sackgesicht, ich bin eine tragende Säule der Gesellschaft! Ich schreibe ernsthafte politische Essays, die Hinterweltler wie du nicht im Entferntesten tangieren. Scher dich zum Teufel!“ Dann rief er den Kellner zu uns. „Hey, du! Komm her! Wir wollen bestellen!“ 

Er bestellte zwei Espressi – in einem unflätigen Ton. „Okay Kollege, wir wollen zwei Espressi, aber Dalli!“, sagte er und fuchtelte mit seiner rechten Hand vor den Augen des Kellners herum. Der verschwand sichtbar genervt in den Innenbereich des Cafés. 

Er lachte. Er dachte wohl, ich mache Witze. Aber ich musste wieder an Klaus denken. Daran, dass wir ebenso gut eine tiefe, freundschaftliche Beziehung aufbauen hätten können, aber ich es stattdessen vorzog, ihn mit dieser schmutzigen Bemerkung zu vergraulen. Wahrscheinlich würde ich dann nicht mehr in diesem dämlichen Café sitzen, an der Seite des Richters, der im Begriff war unsere Heißgetränke mit zwei unreinen Kokainbomben zu vergiften. 

Es gibt noch viel mehr zu erzählen, über mein Debüt in Kassel, aber es ist einfach zu viel und dieser stupide Alptraum scheint gerade erst an Fahrt aufzunehmen. Bei Gelegenheit werde ich hier davon berichten, für heute soll’s das aber gewesen sein. 

Und ein weiteres Mal denke ich an Klaus, der sich im Verlauf seiner Ersti-Woche, wie so viele andere Studenten, im Alkoholrausch an sein neues Studentenleben akklimatisierte, welches ich hiermit stellvertretend schuldig sprechen möchte. 

Hinweis: Die Redaktion distanziert sich ausdrücklich vom Drogenkonsum des Autors. Solltest du selbst unter Drogenproblemen leiden, findest du Hilfsangebote auf der Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Video-Interviews mit den Hochschulgruppen

Anlässlich der Hochschulwahlen hat unser Redakteur Jasper Hillejan mit den sich zur Wahl stellenden Hochschulgruppen Video-Interviews geführt. Viel Spaß beim Anschauen und auf dass die Videos euch die Wahlentscheidung erleichtern.

Jusos

Kooperative Witzenhausen

RCDS

Liberale Liste

Linke Liste (LiLi)

SDS

Grüne Hochschulgruppe

Die Hochschulwahlen 2019 stehen an

Werbung des AStA für die anstehenden Hochschulwahlen

Die Wahlen zum Senat, zu den Fachbereichsräten und zum Kunsthochschulrat sowie zum Studierendenparlament und den Fachschaftsräten stehen vor der Tür. Vom 25.06. bis 27.06.2019 kannst du deine Stimme an der Wahlurne abgeben. Du findest die Wahllokale an folgenden Standorten:

Wahllokal 1: Kassel, Campus Center, Moritzstraße 18, Foyer
Wahllokal 2: Kassel, Menzelstraße 13, Nordbau, vor der Mensa
Wahllokal 3: Kassel, Wilhelmshöher Allee 73, Eingangsbereich vor der Mensa
Wahllokal 4: Witzenhausen, Steinstraße 19, Zeichensaal
Wahllokal 5: Kassel, Heinrich – Plett- Straße 40, Raum 1404

Die Wahllokale sind an den Wahltagen jeweils von 9.30 Uhr bis 15.00 Uhr geöffnet.

Für mehr Infos zu den Hochschulwahlen haben wir eine Facebook-Seite eingerichtet: Wahlausgabe 2019 (Facebook-Link)

AfD scheitert vor Gericht gegen Studie von Kasseler Wissenschaftlern

Berlin/Kassel. Bereits im Juni 2017 veröffentlichte ein Team von Politikwissenschaftlern um den Professor Wolfang Schroeder von der Universität Kassel eine Studie mit dem Titel „Parlamentarische Praxis der AfD in deutschen Landesparlamenten“. Die Studie erregte deutschlandweit Aufmerksamkeit. Unter anderem berichteten die taz, die F.A.Z., die Welt und die Badische Zeitung über die Ergebnisse.

„AfD scheitert vor Gericht gegen Studie von Kasseler Wissenschaftlern“ weiterlesen

Die lange Nacht der letzten StuPa-Sitzung 2018

UniKassel  Um kurz vor halb drei am Donnerstag-Morgen endete die letzte Sitzung des Studierendenparlaments der Universität Kassel im Jahr 2019. Bis dahin waren noch 23 der insgesamt 25 ParlamentarierInnen anwesend, hinzu kamen zwölf Livestream-Zuschauer, mehrere AStA-Referenten und Mitarbeiter und ein Gast.

Insgesamt 24 Tagesordnungspunkte von unterschiedlicher Länge und Dauer  wurden im engen Raum 0223 der Kunsthochschule abgehandelt. Wir haben die Tagesordnungspunkte zusammengefasst: „Die lange Nacht der letzten StuPa-Sitzung 2018“ weiterlesen

StuPa: Zwischen interessanten Anträgen und einem fragwürdigen Demokratieverständnis

Es ist wieder Studierendenparlament und keiner merkt es. Woran dies liegt? Scheinbar haben weder die Hochschulgruppen noch die AStA-ReferentenInnen Interesse daran dies öffentlich zu machen und sich für ihre Arbeit vor einem größeren Publikum rechtfertigen zu müssen. Denn bis auf die Einladung auf der Website des AStA, wurde sich keine Mühe gemacht die Sitzung der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die StuPa-Facebook-Seite hat ihren letzten Eintrag am 11. Juli 2018. Seitdem haben mehrere Sitzungen stattgefunden. Der AStA hat bisher (Stand 17:20 Uhr) keine Ankündigung veröffentlicht. Und für den Live-Stream, der für eine angebliche Transparenz des StuPa sorgen soll, wurde auch schon lange nicht mehr geworben. „StuPa: Zwischen interessanten Anträgen und einem fragwürdigen Demokratieverständnis“ weiterlesen

Neu-Eröffnung des Restaurant Moritz an der Zentralmensa

Uni Kassel  Das Restaurant Moritz wurde nach über einem Jahr Umbaupause am heutigen 19.November 2018 wieder neu eröffnet. Zur Begrüßung gab es – neben dem neuen Buffet-Konzept – auch ein Glas Sekt und Häppchen, sowie akustische Musik von Leevke.

Das Studierendenwerk freute sich das neue Konzept vorstellen zu können. Künftig können Gäste während der Vorlesungszeit Montag bis Freitag zwischen 9:30 und 15:30 Uhr im Restaurant Moritz speisen, Getränke zu sich nehmen oder einfach relaxen. Im Eingangsbereich wurde dazu eine Lounge entwickelt, die zum Kaffee- oder Tee-Trinken einlädt. Im weiteren Verlauf erinnert das Restaurant Moritz an eine moderne Bar.  „Neu-Eröffnung des Restaurant Moritz an der Zentralmensa“ weiterlesen

Offenes Redaktionstreffen

schwerpunkt: mensch, tier, übermensch.

Wir haben einen neuen Termin und einen neuen Ort für das Wintersemester 2018.

Wir treffen uns alle 14 Tage Dienstags um 18:30 Uhr in der Nora-Platiel-Str. 2 (AStA – Küche)

Das erste reguläre Treffen ist am 27.11.2018

Es geht unter anderem um das neue Heft des “metzger*innen”-Kollektivs, Sammeln von Themen für die Online-Berichterstattung und Begrüßung von interessierten Redakteur*innen. Außerdem könnt ihr auch mit eurer ganz eigenen Idee vorbei kommen, für die ihr Unterstützung brauchen könntet.
(Eigenes Magazin, Video-Vorhaben, Podcasts,… )

Bis bald!

 

Heute: StuPa tagt in der Ing-Schule um 18:30 Uhr

Das Studierendenparlament (StuPa) tagt heute in der Ing.-Schule. Leider haben weder das StuPa-Präsidium, noch der AStA oder die Hochschulgruppen große Werbung für die Sitzung gemacht. Daher werden wir wieder teilnehmen und euch anhand der Tagesordnungspunkte (TOPs) über die Entwicklungen im StuPa berichten.  Die Anträge findet ihr auf der Website des AStA (hier).

„Heute: StuPa tagt in der Ing-Schule um 18:30 Uhr“ weiterlesen

Eine veranstaltungsreiche Woche steht bevor: Debüt des Magazins “metzger*innen”

UniKassel In den nächsten Tagen dürfen wir uns auf zahlreiche Veranstaltungen auf dem Uni-Campus freuen, die für Interessierte, Studierende und Neuankömmlinge gedacht sind. Darunter findet der jährlich stattfindende “Markt der Möglichkeiten” statt, der für Studierende, vor allem aus dem ersten Semester gedacht ist. Hier werden zahlreiche Initiativen, Organisationen und Vereine am Start sein, um das Semester zu erleichtern und das Leben in Kassel und Umland zu verschönern. Am gleichen Tag, nämlich ebenso am 30.10., startet unser neues Magazin “metzger*innen” mit einem Vortrag und anschließender Diskussion zum Thema “Grundeinkommen”. Alle Gäste erhalten ein kostenloses Exemplar der metzger*innen mit dem Thema “Arbeit”.

In der Übersicht des Campus-HoPla könnt ihr sehen, wo welche Veranstaltungen stattfinden.

Veranstaltungs-Tipps „Eine veranstaltungsreiche Woche steht bevor: Debüt des Magazins “metzger*innen”“ weiterlesen